Silicon Valley

Das Silicon Valley wird von aussen oft mit Ehrfurcht (und wohl auch etwas Neid betrachtet) und dient nicht selten als grosses Vorbild, dem man insbesondere in Startup-Kreisen nacheifern möchte. Dabei weiss man nicht zuletzt dank Silicon Valley (it’s funny because it’s true …), dass auch dort nicht nur eitel Sonnenschein herrscht. Letzte Woche habe ich zwei gute Beiträge gelesen, welche Schattenseiten thematisieren, einerseits The Other Tech Bubble von Erin Griffith (via Fred Wilsons What Happened In 2017) und andererseits das Tagi-Interview mit Jonas Lüscher.

Die Förderung von MINT-Fächern sieht Jonas Lüscher meiner Meinung nach zwar zu pessimistisch, aber der Teufel steckt wie immer im Detail: M(athematik) als Grundlage nicht nur von INT zu fördern finde ich sehr wichtig, während man sich über die sinnvolle Förderung von I(informatik) noch streiten darf und muss. Vielleicht könnten er und ich uns darauf einigen, dass es wünschenswert wäre, sich an den Erkenntnissen aus Lifelong Kindergarten zu orientieren. (Das Buch ist mir letztes Jahr noch durch die Lappen gegangen, dafür war es ein super Start in das Sachbuchjahr 2018.)

Bücherregal 2017

Auch dieses Jahr habe ich wieder viele Bücher gekauft und die meisten davon sogar gelesen. Dabei beziehe ich mich weder auf die Michael-Connelly-Serien, die ich zur Zeit durchlese, noch auf Ready Player One, das mir als 80er-Jahre-Kind so gut gefallen hat, dass ich für seine Verfilmung mal wieder ins Kino gehen werde, sondern nur auf Sachbücher. (Auch Dark Matter ist äusserst unterhaltsam, aber ich schweife ab …)

Von den nicht-technischen Sachbüchern hat mir The Little Book of Beyond Budgeting am besten gefallen. Mit Beyond Budgeting werde ich mich weiter auseinandersetzen, passt es doch hervorragend zu agilem Projektmanagement, Customer Development etc. (Auch The Startup Way dürfte gut dazu passen, doch das habe ich noch nicht einmal gekauft.)

Die grösste Enttäuschung war Programming with Scala – wie sich herausgestellt hat, ist der Autor weder ein guter Lehrer noch ein guter Programmierer; Scala wird damit ein Bärendienst erwiesen. ☹ Die anderen technischen Bücher waren glücklicherweise gut bis sehr gut.

Die meisten Gedankenanstösse gegeben haben mir die Bücher von Mark Schwartz: The Art of Business Value lege ich allen nahe, die bereits agiles Projektmanagement betreiben (in Scrum z.B. also dem ganzen Scrum Team bestehend aus dem Product Owner, dem Development Team und dem Scrum Master). A Seat at the Table (sowie A Reader’s Guide to a Seat at the Table) empfehle ich allen Mitgliedern von Verwaltungsräten und Geschäftsleitungen von Firmen (und entsprechenden Organen anderer Organisationen), die von Software abhängen – und wer ist das im Zeitalter der Digitalisierung nicht? Phasenweise sieht der Autor zwar Bewegungen wie DevOps sogar für meinen Geschmack zu rosarot, und von Test-Driven Development wird man mich auch im neuen Jahr nicht überzeugen können, doch das tut dem Inhalt keinen Abbruch. Und obwohl er nicht selten etwas schneller auf den Punkt hätte kommen können (was er ja kann, wie man am Reader’s Guide erkennt), ist die Zeit für die Lektüre gut investiert.

Ä guets Neus!

2 + 2

Nach zwei Firmengründungen mit operativer Tätigkeit (doodle.com von 2007 bis 2014 einerseits und squeng.com seit 2015 andererseits), wurde am Montag nach der Elohna GmbH die zweite Firma gegründet, von der ich nur Mitinitiator bin, nämlich die Ledgy AG.

Das Gründerteam ist wieder zu dritt. Das Investorenteam hingegen besteht neu nebst Myke und mir aus Luzius, Elena und Adi.

Viel Spass & Erfolg, Yoko, Timo & Ben!

 

Dé­jà-vu

Ein Interview im gestrigen Tagi hat bestätigt, dass es vor einem Jahr richtig war, das Buch von Tapscott & Tapscott nicht zu Ende zu lesen: lots of words, little content. Nur schon Wilsons Kommentare zu ICOs sind viel fundierter.

Ebenfalls richtig war vor einem Jahr, das Lehrbuch von Narayanan et al. zu berücksichtigen. Ausserdem finde ich Wattenhofers Beitrag wertvoll, Blockchains in einem grösseren Kontext zu behandeln.

Trotz aller Skepsis finde ich das Potenzial von Blockchains reizvoll und werde mich weiterhin sporadisch mit dem Thema auseinandersetzen; sei es über Artikel, die mir Myke empfiehlt, sei es über Bücher, die ich schon vorbestellt habe, oder sei es über das nach Elohna nächste mitinitiierte Startup, welches wir am 3. Juli gründen werden.

 

Bexit

Vor gut einem Jahr, am 15. Januar 2016, haben Thomas, Philipp und Marius die Elohna GmbH gegründet. Innert weniger Monate haben die drei Gründer ein Produkt geschaffen, nämlich Payroll Software as a Service für den Schweizer Markt, das nicht zuletzt dank ihrem überdurchschnittlichen Product Management und DevOps höchsten Ansprüchen an benutzer-freundliche, cloud-basierte Software gerecht wird und Kunden begeistert, aber auch Konkurrenten beeindruckt. Und so nebenbei haben sie sich Lohnbuchhaltungsfachwissen angeeignet, von dem so mancher Treuhänder sich eine Scheibe abschneiden könnte.

Das ist auch der bexio AG nicht entgangen, die einmal mehr einen guten Riecher bewiesen und die Elohna GmbH vor gut einer Woche, am 13. Januar 2017, übernommen hat.

Herzlichen Glückwunsch, Thomas, Philipp und Marius – innert eines Jahres eine Firma zu gründen und erfolgreich zu verkaufen ist eine wahre Meisterleistung!

Bitcoin, Blockchain und Bücher

Die Themen Blockchain im Allgemeinen und Bitcoin im Speziellen habe ich lange vor mich hergeschoben. Sporadisch habe ich zwar Vorträge besucht (vor gut zwei Jahren die Vorträge von Luzius Meisser und Thorsten Hens an einer New Media Session bei Tamedia und vor gut zwei Monaten den Vortrag von Andreas Antonopoulos am START Summit) und Artikel gelesen (wie The Blockchain Application Stack meistens via Fred Wilson), aber mir nie eine eigene Meinung gebildet. Das wollte ich diesen Frühling ändern.

Im April habe ich deshalb The Age of Cryptocurrency gelesen und im Mai Blockchain Revolution. Ersteres kann ich auch einer nicht-technischen Leserschaft wärmstens empfehlen. Letzteres habe ich nur bis zur Hälfte gelesen und den Kauf und vor allem die investierte Zeit bereut: zigmal wird nämlich -überspitzt zusammengefasst- behauptet, dass Blockchain + Magic Dust = Silver Bullet, ohne dass die Blockchain erklärt oder der Magic Dust plausibilisiert wird. Es ist fast schon erstaunlich, dass die Autoren trotz des Hypes um das Buch und in dem Buch nicht auch noch behauptet haben, dass Blockchain-Technologie sämtliche Krankheiten ohne Nebeneffekte heilen wird …

Im Sommer werde ich nochmals einen neuen Anlauf nehmen müssen, diesmal aber auf der Basis einer technischen Quelle. Nichtsdestotrotz wage ich auf wackeliger Grundlage eine erste Einschätzung:

  • Pessimistisch:
    • Bitcoin ist bereits die Killer-App der Blockchain, es wird nicht viele weitere geben. (Ob sich Bitcoin deshalb zu einem guten Geld- oder Gold-Ersatz mausern wird, weiss ich leider nicht.)
    • Die Blockchain leidet wie sämtliche schlüssel-basierten kryptographischen Systeme unter dem Problem der Schlüssel-Verwaltung, was ihren theoretischen Eigenschaften praktische Grenzen setzt. (An dieser Stelle sei mal wieder verwiesen auf Cryptography Engineering.) Denn auch wenn ein Public Key direkt als Pseudonym fungiert, kann der zugehörige Private Key verloren gehen oder missbraucht werden. Oder wer hat noch nie weder ein Passwort vergessen noch einen physischen Schlüssel verloren?
      Und ich hege den Verdacht, dass viele Nicht-Informatiker sich dieses Aspekts noch gar nicht bewusst sind, was in zu optimistischen Artikeln und Vorträgen (ab Minute 69) resultiert. (Blossstellen möchte ich mit den beiden Beispielen niemanden; es handelt sich schlicht & einfach um den letzten Artikel resp. Vortrag, an den ich mich gerade erinnern kann.)
    • VC-Fonds, die sich auf Bitcoin/Blockchain beschränken, sind ähnlich kurzsichtig wie Investoren, die seinerzeit nur noch auf Ruby-on-Rails-Projekte setzen wollten, obwohl es sich dabei schon damals um ein austauschbares Implementations-Detail gehandelt hatte.
  • Optimistisch:
    • Die Blockchain bietet eine lehrreiche Fallstudie für den Entwurf kryptographischer Protokolle und ihrer konkreten Umsetzung in Form von Software.
    • Die Blockchain wird weiterhin die Phantasie beflügeln und zu Ansätzen anregen, die bis vor kurzem wohl im Keim erstickt worden wären (z.B. über Organisationen verteilte Datenbanken mit hoher Transparenz für Bürger, Kunden usw. – unabhängig davon, ob man sie dann mit kryptographischen Bausteinen aus der Blockchain umsetzt oder anders).
    • Nicht selten liege ich falsch mit meinen Einschätzungen. 🙂

 

 

Name ist Schall und Rauch

Diese Woche habe ich mitbekommen, dass Typesafe den Namen ändern möchte. Und in meiner Rolle als Verwaltungsrat werde ich immer mal wieder darauf hingewiesen, dass Nezasa kein guter Name sei – obwohl sich Manuel et al. etwas dabei überlegt hatten.

Damit wir auch mit Variablen resp. Funktionen operieren können, wenn sie nicht gerade x resp. f heissen, pflegte mein Mathelehrer an der KSBG jeweils “Namen sind Schall und Rauch (und meine kranken Nachbarn auch)” zu zitieren und andere Buchstaben -oder sogar 🌟 und ☕- zu verwenden.

Das ist nicht spurlos an mir vorbeigegangen, so dass ich in Bezug auf Namen von Firmen relativ entspannt bin (und nicht nur ich): Apple Computer heisst nur noch Apple – verkauft jedoch nach wie vor Computer und immernoch keine Äpfel. Mit Doodle kann man nicht kritzeln, sondern Termine finden. Und Google hat seinen Ursprung nicht zuletzt in einem Schreibfehler